Auf dem Stoos bieten sich gleich mehrere Varianten für einen eindrücklichen Traillauf mit atemberaubender Weitsicht. Im Zentrum steht der spektakuläre Gratweg zwischen dem Klingenstock und dem Fronalpstock. Von hier oben – wie es ein Grat verspricht – geniesst man einen 360-Grad-Rundumblick: auf der einen Seite der Vierwaldstättersee mit den Zentralschweizer und Berner Alpen, auf der anderen Seite die markante Mythen-Gegend. Vor und hinter einem zieht sich der Gratverlauf mit unzähligen Treppenstufen dahin – fast so, als hätte jemand eine Treppe direkt zum Himmel gebaut. In diesem Bericht gehe ich näher auf den Rundlauf Stoos – Fronalpstock – Stoos ein.
Einleitung
Wenn du Lust hast auf Weite, frische Bergluft und einen Aufstieg, der dich fordert und gleichzeitig ordnet, dann begleite mich auf dieser Runde. Ich zeige dir, warum dieser Trail für mich jedes Mal mehr ist als nur ein Lauf.
Steckbrief
- Region: Kanton Schwyz, zwischen Vierwaldstättersee und Mythengegend
- Distanz: rund 10 km
- Höhenmeter: ca. 640 hm
- Dauer: ca. 1 Std. 20 Min. (Ø 8:20/km)
- Typ: Rundtour, Start & Ziel Stoos, höchster Punkt Fronalpstock
- Schwierigkeit:
-
- Ausdauer: mittel, eher für trainierte Läufer
- Technik: mittel, besonders beim Abstieg ist Trittsicherheit gefragt
- Untergrund: offizielle Wanderwege, Aufstieg über breite Kieswege und gut ausgebaute Stufen; Abstieg teils über Skipiste mit weichem, schlammigem Boden und unebenem Terrain
- Navigation: leicht, gut beschilderte Wege
- Beste Jahreszeit: Frühling bis Herbst. Der Gratweg sollte schneefrei sein. Im Winter nur bei stabilen, trockenen Verhältnissen. Wetterprognose unbedingt prüfen – rasche Wetterwechsel und Sommer-Gewitter sind im Gebirge keine Seltenheit.
- Verpflegung: Laufweste mit 2 × 5 dl, 1–2 Gels oder Riegel. In den Sommermonaten ist das Bergrestaurant auf dem Fronalpstock geöffnet – Panorama-Terrasse inklusive.
Routenbeschreibung
Wir übernachteten in der Stoos Lodge direkt bei der Bergstation. Für mich die perfekte Ausgangslage für einen frühen Start um 06:00 Uhr.
Vom Dorf Stoos geht es südwestlich am Stoos-Seeli vorbei Richtung Frontal. Der Weg führt durch ein Couloir zwischen Huser Stock und Fronalpstock – auf der Karte als «Unter Frontal» und «Ober Frontal» bezeichnet. Der Aufstieg erfolgt auf einem breiten Kiesweg, gut ausgebaut und landwirtschaftlich befahrbar.
Bei Furggelen (Punkt 1731) öffnet sich erstmals der Blick auf die Zentralschweizer Alpen und den Vierwaldstättersee. Hier zweigt man rechts auf den Wanderweg 827 ab. Es folgen zahlreiche Treppenstufen, die den früher naturbelassenen Pfad ersetzen. Der Weg ist touristisch stark frequentiert, gutes Schuhwerk mit Grip bleibt dennoch Pflicht.
Dieser Anstieg zum Fronalpstock ist steil. Immer wieder öffnet sich der Blick auf den türkisblauen Vierwaldstättersee, links fällt das Gelände steil ab – bei Einhaltung des markierten Wegs jedoch ohne Absturzgefahr. Nach knapp 300 Höhenmetern erreicht man den Gipfel auf rund 2000m.ü.M.
Oben wartet eine der schönsten Panoramaaussichten der Schweiz: Rigi, Pilatus, die Urner Alpen, der Vierwaldstättersee in seiner ganzen Länge. Die Plattform lädt förmlich ein, einen Moment zu verweilen und tief durchzuatmen.

Der Abstieg beginnt nordwärts, später ostwärts. Ich wählte die Route zur Alpwirtschaft Laui, teilweise entlang der Skipiste. Weicher Boden, Kuhtrampelpfade und teils rutschige Passagen fordern Konzentration. Nach einer Traverse zur Mettlen geht es unter dem Sessellift zurück ins Dorf Stoos – zurück zum Ausgangspunkt.
Varianten und Alternativen
Ingesamt kann man 4 Varianten unterscheiden:
- Gratweg pur: Mit Einbezug der Sessellifte absolviert man hauptsächlich den Gratweg zwischen Klingenstock und Fronalpstock (ca. 5 km).
- Berglauf: Aufstieg auf einen der «Stöcke», Rückweg bequem mit dem Sessellift.
- Rundlauf «klein»: Wie hier beschrieben, Stoos – Fronalpstock – Stoos (ca. 10 km).
- Rundlauf «gross»: Für sehr gut Trainierte: Stoos – Klingenstock – Gratweg – Fronalpstock – zurück ins Dorf (15–20 km).
Anreise & Logistik
Auf den Stoos gelangt man mit der Stoosbahn – der steilsten Standseilbahn der Welt mit einer maximalen Steigung von 110 %. Bereits die Fahrt ist ein Erlebnis.
Bei der Talstation in Schwyz steht ein grosses Parkhaus zur Verfügung. Mit dem öffentlichen Verkehr reist man per Zug bis Schwyz oder Brunnen, von dort mit dem Bus zur Talstation der Stoosbahn. Die Anschlüsse sind gut abgestimmt.
Mentale Momente
Ich empfehle einen frühen Start. Die frische Morgenluft macht den Aufstieg angenehmer, auch wenn anfangs noch eine leichte Windjacke sinnvoll ist. Der Puls steigt rasch – ein idealer Moment, um in sich hineinzuhören und den eigenen Herzschlag bewusst wahrzunehmen.
Der erste Blick über den Kamm bei Furggelen auf das Alpenpanorama schenkt Motivation für den steilen Schlussanstieg. Oben angekommen herrscht frühmorgens eine besondere Stimmung. Die Sessellifte stehen still, nur ein paar Bergdohlen begleiten dich. Die aufgehende Sonne taucht Himmel und Wolken in warme Farben.
Von hier oben wirkt das Dorf Stoos klein. Der Blick relativiert, ordnet ein. Man spürt Wind, Sonnenwärme, Weite – und merkt, wie die Hektik des Alltags leiser wird. Der Gedanke, den Aufstieg aus eigener Muskelkraft geschafft zu haben, erfüllt mit einem leisen Stolz.
Persönliches Fazit
Das Berggebiet Stoos ist für mich ein fantastisches Trail-Running-Revier. Die Kombination aus technisch gut ausgebauten Wegen, beeindruckender Gratlandschaft und dem Panorama über See und Alpen ist einzigartig. Besonders der Blick Richtung Mythen im «Rücken» verleiht der Runde zusätzlichen Charakter.
Für mich aus der Zentralschweiz ist der Stoos schnell erreichbar – genau das macht ihn so attraktiv. Ob als intensiver Morgenlauf, als Panorama-Genusstour oder als anspruchsvoller Grat-Longrun: Der Stoos bietet alles. Und jedes Mal dieses Gefühl von Weite, Klarheit und leiser Kraft.

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