In diesem Bericht erzähle ich von meinem persönlichen Projekt „Mission 33+“ beim Wings for Life World Run 2026. Nachdem ich im Vorjahr 32.9 Kilometer erreicht hatte, wollte ich dieses Mal bewusst die 33-Kilometer-Marke knacken. Nebst dem physischen Training bereitete ich mich gezielt mental auf schwierige Rennphasen vor und arbeitete intensiv mit Visualisierungstechniken. Zudem spielte die bewusste Atmung während des Laufs eine wichtige Rolle, insbesondere in Momenten von Müdigkeit und Anstrengung. Der Artikel zeigt, wie mentale Stärke, Ruhe und kontrollierte Atmung im Ausdauersport einen grossen Unterschied machen können. Gleichzeitig geht es auch darum, wie eng Körper und Geist beim Laufen zusammenarbeiten. Am Ende wurde meine „Mission 33+“ mit 33.77 Kilometern erfolgreich Realität.

Mehr als nur Kilometer
Letztes Jahr lief ich beim Wings for Life World Run 32.9 Kilometer. Eine Zahl, die mir hängen blieb. Nicht weil sie schlecht war – ganz im Gegenteil. Sondern weil sie so nahe an der 33er-Marke lag. Genau daraus entstand mein persönliches Projekt für 2026:
„Mission 33+“.
Physisch fühlte ich mich bereit. Die Trainings stimmten, die langen Läufe verliefen gut und ich wusste: Wenn die Beine funktionieren und der Magen am Renntag mitspielt, werde ich erneut die Marke von 30 Kilometern erreichen. Doch für einen neuen persönlichen Rekord braucht es mehr. Irgendwann im Rennen beginnt nicht mehr nur der Körper zu arbeiten, sondern vor allem der Kopf.
Mein Lauf als Video
Der Gegner im eigenen Kopf
Wer lange läuft, kennt diese Momente. Die Beine werden schwer, der innere Schweinehund meldet sich plötzlich lautstark zu Wort und man beginnt sich zu fragen, weshalb man sich das eigentlich antut. Genau auf diese Phasen wollte ich mich diesmal gezielt vorbereiten. Nicht nur körperlich, sondern mental.
Dabei arbeitete ich bewusst mit Visualisierung. Für mich bedeutet das weit mehr als positives Denken. Gerade während längerer Trainingsläufe stellte ich mir immer wieder vor, wie es sich anfühlen würde, die 33-Kilometer-Marke endlich hinter mir zu lassen. Ich visualisierte, ruhig und kontrolliert weiterzulaufen, auch wenn Müdigkeit einsetzt. Keine negativen Gedanken zuzulassen, sondern einfach Schritt für Schritt weiterzugehen. Fast so, als hätte mein Kopf diese Situation bereits erlebt.
Interessanterweise gibt es dazu auch wissenschaftliche Ansätze. Studien zeigen, dass Visualisierung ähnliche Bereiche im Gehirn aktiviert wie die tatsächliche Bewegungsausführung. Der Körper lernt dadurch nicht nur physische Abläufe, sondern auch emotionale Reaktionen auf Belastung besser zu kontrollieren. Genau dieses Gefühl hatte ich während des Rennens. Mein Geist fühlte sich ruhiger und abgeklärter an als bei früheren Wettkämpfen.
Die Kraft der bewussten Atmung
Ein zweiter Punkt war die Atmung. Jeder Motor braucht Sauerstoff für den Verbrennungsprozess. Trotzdem erhält die Atmung im Ausdauersport oft erstaunlich wenig Aufmerksamkeit. Man liest über Trainingspläne, Ernährung oder Lauftechnik – aber selten darüber, wie stark bewusste Atmung Leistung und Erholung beeinflussen kann.
Mir war wichtig, einen ruhigen Rhythmus zu finden und in intensiveren Momenten ganz bewusst auf meinen Atem zu achten. Tief einatmen. Alte Luft entschlossen ausstossen. Besonders bei kleineren Steigungen oder Momenten der Erschöpfung konzentrierte ich mich gezielt darauf. Zweimal im Rennen spürte ich, wie meine Energie kurz absackte. Genau dort griff ich bewusst zu diesem „Tool“. Und ich war überrascht, wie schnell sich mein Körper nach wenigen tiefen Atemzügen wieder erholte.
Auch hierfür gibt es spannende Erkenntnisse. Tiefe, kontrollierte Atmung aktiviert den Parasympathikus – also jenen Teil unseres Nervensystems, der für Ruhe, Regeneration und Erholung zuständig ist. Gleichzeitig verbessert bewusstes Atmen die Sauerstoffaufnahme und kann helfen, Stressreaktionen während intensiver Belastung zu reduzieren.
Ruhe statt Kampf
Spannend war für mich rückblickend vor allem eines: Ich hatte im Rennen nie das Gefühl, gegen mich selber kämpfen zu müssen. Natürlich gab es anstrengende Momente. Natürlich wurden die Beine müde. Und bei Kilometer 22 hatte ich einen richtigen Hänger. Aber mein Kopf blieb ruhig. Ich hatte das Gefühl, den Lauf mehr anzunehmen statt gegen ihn anzurennen.
Gerade bei langen Distanzen entscheidet oft nicht der stärkste Körper, sondern der ruhigste Geist. Wer in schwierigen Momenten nicht in Panik verfällt, sondern kontrolliert bleibt, spart enorm viel Energie. Ich denke, das war genau der entscheidende Unterschied gegenüber dem Lauf im Vorjahr.
Fazit: Mission erfüllt
Am Ende wurden es 33.77 Kilometer. Mein Ziel war geschafft. Nachdem ich die 33er-Marke hinter mir gelassen hatte, nahm ich bewusst etwas Tempo raus. Es soll ja auch nächstes Jahr noch Luft nach oben bleiben.
Was ich aus diesem Lauf besonders mitnehme: Körperliche Fitness bleibt die Grundlage. Aber mentale Stärke und bewusste Atmung können im entscheidenden Moment den Unterschied machen. Zwei unscheinbare Helfer, die ich künftig noch bewusster in meine Trainings und Wettkämpfe integrieren werde.

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