In diesem Bericht nehme ich dich mit auf eine der eindrucksvollsten Trailrunning Touren der Zentralschweiz. Die Rundtour ab Lungern über den Höch Gumme und das Wilerhorn verbindet einen aussichtsreichen Grat, abwechslungsreiche Naturwege und ein Panorama mit Blick auf den Lungerersee, den Brienzersee und die Berner Alpen. Du erhältst eine detaillierte Streckenbeschreibung mit persönlichen Eindrücken, praktischen Tipps sowie Links zur GPX Datei und meiner Strava Aktivität. Gleichzeitig erfährst du, weshalb solche Erlebnisse weit mehr sind als Sport und wie Bewegung in der Natur helfen kann, den Kopf frei zu bekommen und neue Energie zu schöpfen. Vielleicht inspiriert dich diese Tour nicht nur zu einem Ausflug nach Obwalden, sondern auch dazu, dir selbst wieder mehr Zeit für das zu schenken, was dir wirklich guttut.
Video zum Trailrun über den Gratweg Höch Gumme - Wilerhorn
Das Video wird am Sonntag, 05.07.26, ca. 17:00 Uhr hier publiziert.
Bis dann viel Spass mit meinen anderen Videos auf meinem YouTube-Kanal.
Es gibt Orte, die beeindrucken mit spektakulären Gipfeln. Und es gibt Orte, die berühren, weil sie uns wieder mit uns selbst verbinden. Der Grat zwischen Höch Gumme und Wilerhorn gehört für mich genau dazu. Schritt für Schritt öffnet sich der Blick über den türkisfarbenen Lungerersee, den Brienzersee und die Gipfel der Berner Alpen. Die Weite der Landschaft schafft Abstand zum Alltag. Gedanken werden ruhiger, der Atem gleichmässiger und der Fokus richtet sich wieder auf das Wesentliche.
Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen von Termin zu Termin eilen, gewinnt Bewegung in der Natur eine besondere Bedeutung. Für mich geht es dabei längst nicht mehr nur um Training oder sportliche Leistung. Solche Touren erinnern mich daran, dass es im Leben weniger um das Aussteigen aus dem Hamsterrad geht als um das Einsteigen in das eigene Leben. Zeit für das, was uns begeistert, Zeit für das, was uns Kraft gibt, und Zeit, um wieder bei sich selbst anzukommen. Die Rundtour ab Lungern über den Höch Gumme und das Wilerhorn verbindet genau das. Anspruchsvolle Naturwege, ein traumhafter Grat und eine Landschaft, die für mich zu den schönsten der Zentralschweiz zählt. Eine Tour, die körperlich fordert und gleichzeitig den Kopf frei macht.
Die Tour im Überblick
Die Region rund um Lungern gehört für mich zu den eindrucksvollsten Landschaften der Zentralschweiz. Eingebettet zwischen dem türkisfarbenen Lungerersee, steilen Bergflanken und den Gipfeln der Berner Alpen bietet sie unzählige Möglichkeiten für aktive Naturerlebnisse. Ob gemütliche Wanderung, anspruchsvoller Trailrun oder entspannte Stunden am See, die Vielfalt auf engem Raum macht Obwalden zu einem idealen Ausgangspunkt für alle, die Bewegung und Erholung miteinander verbinden möchten.
Die Rundtour über den Höch Gumme und das Wilerhorn (Link zur Strava-Aktivität) zählt dabei zu den landschaftlichen Höhepunkten der Region. Wer den vollständigen Aufstieg und Abstieg aus eigener Kraft bewältigt, erlebt den Wechsel von schattigen Waldwegen über blühende Alpweiden bis hin zu einem aussichtsreichen Grat, der seinesgleichen sucht. Gerade diese Abwechslung macht den besonderen Reiz der Tour aus. Jeder Abschnitt eröffnet neue Perspektiven und lässt die beeindruckende Bergwelt aus einem anderen Blickwinkel erleben.
Start / Ziel: Lungern
Distanz: 22 km
Höhenmeter: 1830 hm (wer abkürzen will, nimmt die Seilbahn Lungern - Turren)
Laufzeit: ca. 5 Stunden
Schwierigkeit: Anspruchsvoller Trailrun mit alpinen Abschnitten
Beste Jahreszeit: Juni bis Oktober
Ausrüstung: Gute Trailrunning-Schuhe, Lauftöcke sehr empfohlen, Laufweste mit Trinkflaschen, 3-4 Riegel.
Von Lungern über den Höch Gumme zum Wilerhorn und zurück
Der Trail beginnt im Dorf Lungern und führt zunächst stetig bergauf durch schattige Waldabschnitte. Mit jedem Höhenmeter rückt der Alltag ein Stück weiter in den Hintergrund. Die Geräusche des Dorfes verstummen, stattdessen begleiten das Rauschen des Waldes, Vogelstimmen und die frische Bergluft den Aufstieg. Nach und nach öffnen sich die ersten Ausblicke auf den türkisfarbenen Lungerersee, der tief unten zwischen den Bergen liegt. Ich begegnete einer Wanderin, welche überrascht war, sie sei hier sonst immer ganz alleine unterwegs. Die Bergstation Turren erreichte ich 5-10 Minuten bevor die erste Bahn eintraf, die erste Fahrt startete um 08:20 Uhr ab Lungern. Beim Aufstieg blieb einer meiner Laufstöcke plötzlich zwischen Wurzeln im Waldweg regelrecht verkeilt. Während ich ihn mit einigen Drehungen wieder befreite, musste ich schmunzeln. «Soso», dachte ich leise vor mich hin, «liebe Natur, du möchtest mich also schon hier behalten.» Ein kleiner Moment, der mir bis zum Schluss der Tour in Erinnerung blieb.
Oberhalb der Waldgrenze verändert sich die Landschaft spürbar. Saftige Alpweiden lösen den Wald ab, die Sicht wird weiter und die Vorfreude auf den bevorstehenden Grat wächst mit jedem Schritt. Der Anstieg fordert Ausdauer, belohnt aber immer wieder mit neuen Perspektiven auf die umliegende Bergwelt. Gerade weil die gesamte Tour aus eigener Kraft bewältigt wird, fühlt sich jeder gewonnene Höhenmeter besonders verdient an. Beim ersten Zwischenziel Männli traf ich drei sportliche Mannen an, geschätzt leicht älter als ich. Wir sprachen über die geplanten Wanderouten - sie hatten das Brienzer Rothorn als Ziel - und wir philosophierten ob die Bezeichnung Trailrunning oder Speed Hiking treffender sei. Tatsächlich, gerade bei derart intensiven Anstiegen wie zum Höch Gumme rennt man sehr selten. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr gefiel mir dieser Gedanke. Bei langen Berganstiegen ist man ohnehin meist zügig gehend unterwegs. Vielleicht beschreibt Speed Hiking diese Art des Unterwegsseins tatsächlich treffender als Trailrunning.
Mit dem Erreichen des Höch Gumme beginnt für mich der eindrucksvollste Abschnitt der gesamten Tour. Die 360° Aussicht von hier oben gehört zu den eindruckvollsten Panoramen, die ich bisher in der Zentralschweiz erleben durfte. Bevor ich mich auf den Weg abwärts mache, suche ich noch rasch den beliebten Foto-Spot auf: Es handelt sich um einen Felsvorsprung, wo man sich vor dem tiefen Abgrund fotografieren kann, mit dem türkisblauen Brienzersee im Hintergrund. Unmittelbar beim Loslaufen vom Höch Gumme folgt ein kurzer Grat-Abschnitt, welchen ich besonders spektakulär finde. Danach geht es steil runter bis zum Punkt Gibel am Fusse des Höch Gumme. Von hier aus könnte man auch zur Alpwirtschaft Schönbüel weiter laufen, ich entschied mich jedoch wie geplant das Wilerhorn in Angriff zu nehmen. Der Grat schlängelt sich in Richtung Wilerhorn und eröffnet ein Panorama, das seinesgleichen sucht. Links glitzert der Brienzersee, rechts leuchtet der Lungerersee in seinem markanten Türkis. Dazwischen schweift der Blick über sanfte Alpweiden bis zu den markanten Gipfeln der Berner Alpen. Trotz dieser Weite wirkt der Weg erstaunlich ruhig. Immer wieder lohnt es sich, kurz stehen zu bleiben, tief durchzuatmen und die Landschaft bewusst auf sich wirken zu lassen. Auf der Karte als Teifengrad und Hörnli bezeichnet, befindet sich hier meiner Ansicht nach der zweite gewaltige Grat-Abschnitt. Schau dir das Video an und beurteile selber.
Der Gratweg vermittelt stellenweise ein angenehm alpines Gefühl. Einzelne Passagen sind schmal, teilweise leicht ausgesetzt und verlangen Trittsicherheit sowie einen aufmerksamen Schritt. Kurze, mit Drahtseilen gesicherte Stellen bieten zusätzliche Unterstützung, ohne den natürlichen Charakter des Weges zu verändern. Wer sich in den Bergen wohlfühlt, erlebt diesen Abschnitt als landschaftlichen Höhepunkt der Tour. Bei trockenem Wetter lässt sich der Grat gut begehen, bei Nässe oder Nebel sind eine realistische Selbsteinschätzung und die passende Ausrüstung umso wichtiger.
Nach dem Wilerhorn führt der Trail wieder talwärts zurück nach Lungern. Der Abstieg fordert die Beine ein letztes Mal, gleichzeitig begleitet einen das Gefühl, etwas Besonderes erlebt zu haben. Bei diesem Abstieg habe ich für einmal konsequent meine Laufstöcke eingesetzt, um die Schläge in Knie und Oberschenkel etwas abzufedern, und das hat sich sehr bewährt. Es ist diese Kombination aus abwechslungsreichen Naturwegen, eindrucksvollen Ausblicken und einem Grat, der Respekt und Begeisterung gleichermassen weckt, die diese Rundtour für mich zu einer der schönsten Trailrunning Touren der Zentralschweiz macht.
Mehr als ein Trailrun – warum Bewegung den Kopf frei macht
Während ich über den Grat laufe, wird mir immer wieder bewusst, wie wenig es eigentlich braucht, um den Kopf frei zu bekommen. Kein Handy, keine Termine, keine E Mails. Nur der nächste Schritt, der Wind, die Berge und das Gefühl, ganz im Moment zu sein. Darin liegt für mich die besondere Kraft solcher Touren.
Mindestens genauso in Erinnerung bleiben mir jedoch die Begegnungen unterwegs. Obwohl die Hitze forderte und viele bereits einige Höhenmeter in den Beinen hatten, begegneten sich die Menschen mit einer bemerkenswerten Offenheit. Ein freundliches Grüezi, ein kurzer Austausch über das Tagesziel oder neugierige Fragen zu meiner HoverAir Drohne. Fast jedes Gespräch endete mit derselben Feststellung: Wie schön wir es doch hier haben. Für diese Erlebnisse muss man nicht um die halbe Welt reisen. Die Schönheit liegt oft näher, als wir denken. Diese gemeinsame Dankbarkeit und Zufriedenheit haben mich fast genauso beeindruckt wie die Landschaft selbst. Daraus entsteht meiner Ansicht nach dieses besondere Gefühl, das viele nach einem Tag in den Bergen mit nach Hause nehmen.
In unserer Arbeitswelt wird häufig darüber gesprochen, aus dem Hamsterrad auszusteigen. Ich sehe es etwas anders. Für mich geht es weniger darum, wovor wir weglaufen, sondern vielmehr darum, wofür wir bewusst Zeit schaffen. Ein Trailrun wie dieser ist kein Ausstieg aus dem Leben. Er ist ein Einstieg in das Leben. Ein Einstieg in das, was uns begeistert, neue Energie schenkt und uns wieder mit uns selbst verbindet.
Gerade in Phasen hoher Belastung verlieren viele Menschen den Kontakt zu den Dingen, die ihnen Kraft geben. Bewegung in der Natur löst nicht alle Herausforderungen des Alltags. Sie schafft jedoch einen Raum, in dem Gedanken wieder klarer werden, Prioritäten an Bedeutung gewinnen und neue Perspektiven entstehen können. Für mich gehört genau das zu einer wirksamen Burnout Prävention. Nicht erst dann aktiv zu werden, wenn die Energiereserven aufgebraucht sind, sondern regelmässig bewusst Zeit für sich selbst einzuplanen.
Sich selbst treu bleiben und neue Wege entdecken
Jede Tour hinterlässt Erinnerungen. Manche bleiben wegen der Aussicht in Erinnerung, andere wegen der körperlichen Herausforderung. Was mir von diesem Gratlauf besonders bleibt, ist die Erkenntnis, dass persönliches Wachstum oft dort beginnt, wo wir unsere gewohnten Wege verlassen. Manchmal genügt es, einen unbekannten Wanderweg zu wählen, einen neuen Gipfel zu entdecken oder sich bewusst Zeit für ein Erlebnis zu nehmen, das schon lange auf der persönlichen Wunschliste steht. Jeder dieser Schritte erweitert den eigenen Horizont und stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Genauso wichtig ist es, dabei auf sich selbst zu hören. Nicht jeder Gipfel muss erreicht werden und nicht jede Herausforderung passt zu jedem Zeitpunkt im Leben. Die hier beschriebene Route muss weder gelaufen noch möglichst schnell absolviert werden. Wer sie gemütlich wandernd erlebt, nimmt genauso viel mit. Entscheidend ist, den eigenen Weg zu gehen, auf den Körper zu hören und den eigenen Werten treu zu bleiben. Oft sind genau das die Entscheidungen, die uns langfristig am weitesten bringen.
Fazit: Ankommen bei sich selbst
Als ich nach rund fünf Stunden wieder in Lungern ankomme, sind die Beine müde und die Energiereserven fast aufgebraucht. Mental fühlt es sich genau gegenteilig an. Ich bin erfüllt von den Eindrücken dieses Tages und dankbar, dass ich diese Tour erleben durfte.
Der Trail über den Höch Gumme und das Wilerhorn hat mich körperlich gefordert. 22 Kilometer und 1830 Höhenmeter verlangen Ausdauer, besonders der lange Abstieg fordert die Beine ein letztes Mal. Gleichzeitig hat mir diese Route etwas geschenkt, das weit über den sportlichen Aspekt hinausgeht. Spektakuläre Gratpassagen, eindrucksvolle Ausblicke und Begegnungen mit Menschen, die ihre Begeisterung für diese Landschaft ganz selbstverständlich teilen. Selten habe ich auf einer Tour so viele zufriedene und aufgestellte Menschen getroffen. Trotz Anstrengung und sommerlicher Hitze überwog bei allen dieselbe Freude darüber, in einer derart eindrucksvollen Natur unterwegs zu sein.
Vor wenigen Tagen entdeckte ich zufällig ein Foto dieses Grates. Aus Neugier fragte ich eine KI, wo sich dieser Ort befindet. Wenige Tage später stand ich selbst dort oben. Manchmal braucht es gar nicht viel. Eine Idee, etwas Neugier und den Entschluss, sie einfach umzusetzen. Keine Sekunde habe ich diese Entscheidung bereut.
Während des Laufes musste ich immer wieder an einen Gedanken denken, der mich schon länger begleitet. Viele sprechen davon, aus dem Hamsterrad auszusteigen. Andere davon, bewusst in das eigene Leben einzusteigen. Heute wurde mir klar, dass beides für mich gar nicht den Kern trifft. Viel wichtiger ist es, immer wieder bei sich selbst anzukommen. Momente zu erleben, in denen Gedanken ruhig werden, der Blick weit wird und man ganz im Hier und Jetzt aufgeht. Genau dort entstehen Dankbarkeit, Klarheit und neue Energie.
Nicht das Erreichen des Gipfels war heute das Schönste. Es war das Gefühl, jede Minute bewusst erlebt zu haben.
Manche Grate führen über Berge. Andere führen uns zurück zu uns selbst 🌿
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